
Manchmal sitze ich auf dem Platz, den wir alle einfach „den
alten Schulhof“ nennen, und stelle mir vor, wie es hier früher
gewesen sein muss. Meine Eltern erzählen nämlich oft davon, wie
die Volksschule von Ophoven damals geschlossen wurde. Die Leute
im Dorf waren richtig sauer darüber. Sie wollten nicht, dass
das Schulgebäude einfach leer steht und verstaubt. Und ehrlich
gesagt kann ich das total verstehen. Ein leeres Schulhaus
mitten im Dorf? Das wäre doch irgendwie traurig.
Also haben die Erwachsenen damals überlegt, was man daraus
machen könnte. Und weil das Gebäude zwei große Klassenräume
hatte und hinter der Schule richtig viel Platz war, kam jemand
auf die Idee: „Warum machen wir keinen Kindergarten daraus?“
Das klingt heute total logisch, aber damals war das gar nicht
so einfach.
Zuerst wollten sie nämlich einen Kindergarten von der Kirche
einrichten lassen. Pfarrer Bohnen hat sogar geholfen. Aber das
Bistum Aachen hat im Januar 1969 gesagt: „Nein, das geht nicht.
Ein Kindergarten in einem kleinen Dorf mit nur ungefähr 400
Einwohnern lohnt sich nicht.“ Ich stell mir vor, wie enttäuscht
alle gewesen sein müssen. Wenn ich daran denke, wie wichtig
unser Kindergarten für uns Kinder war, kann ich mir gar nicht
vorstellen, dass es ihn fast nicht gegeben hätte.
Aber die Ophovener haben nicht aufgegeben. Sie haben einfach
beschlossen, den Kindergarten selbst zu betreiben. Und so wurde
die alte Schule umgebaut. Am 20. Februar 1970 wurde der neue
Kindergarten eröffnet. Und ein paar Tage später, am 5. März,
gab es einen „Tag der offenen Tür“. Meine Oma sagt, das ganze
Dorf sei damals gekommen, um zu sehen, wie alles aussieht. Auf
dem alten Schulhof wurde ein Spielplatz gebaut, und ich wette,
die Kinder damals waren genauso begeistert wie wir
später.
Am Anfang gab es zwei Gruppen mit jeweils 30 Kindern. Das ist
echt viel! Zwanzig kamen aus Ophoven und vierzig aus Kempen.
Aber ab 1977 wurde der Kindergarten kleiner, weil die Kinder
aus Kempen dann in Unterbruch und Karken betreut wurden.
Seitdem gab es nur noch eine Gruppe.
Was ich besonders cool finde: Margret Jansen war ganze 35 Jahre
lang die Leiterin des Kindergartens. Von 1970 bis 2005! Das ist
länger, als ich überhaupt auf der Welt bin. Danach hat Elvira
Melchers übernommen. Und dann gibt es noch Rita Hüsen. Sie war
von Anfang an dabei. 37 Jahre lang! Meine Mutter sagt immer,
dass Rita schon sie als Kind betreut hat. Und später dann mich.
Das finde ich irgendwie lustig — als wäre Rita ein Stück
Kindergarten-Geschichte, das nie verschwunden ist.
Aber irgendwann kam der Tag, an dem der Kindergarten schließen
musste. Am 15. Juli 2007 hat das ganze Dorf Abschied gefeiert.
Ein Sommerfest, sagt meine Oma, mit vielen Erinnerungen und ein
bisschen Wehmut. Seitdem gehen die Ophovener Kinder zusammen
mit den Kindern aus Effeld in die neue Kita in
Steinkirchen.
Wenn ich heute daran vorbeigehe, wo der alte Kindergarten
stand, fühlt es sich ein bisschen so an, als würde man an einem
Ort vorbeigehen, der viele Geschichten kennt. Geschichten von
Kindern, die hier gespielt, gelacht, geweint und Freundschaften
geschlossen haben. Und obwohl der Kindergarten nicht mehr da
ist, finde ich, dass er irgendwie immer noch zu Ophoven gehört.
So wie ein Kapitel in einem Buch, das man nie vergisst.
In Anlehnung an "Ophoven Dorfchronik" von Ingo Caron
