Naturschutz und Heimatpflege

Ah…
Verzeih mir, ich muss erst einen Schluck nehmen. Nichts wärmt die Gedanken so gut wie ein kräftiger Tee, wenn man sich auf eine Reise in die Vergangenheit begibt. Und glaub mir, die Geschichte dieser Wallfahrtskirche ist eine Reise wert.
Die Kirche verdankt ihre Entstehung einer kleinen Gemeinschaft von Zisterzienserinnen. Ein stiller, fast unscheinbarer Anfang, wie so oft in der Geschichte großer Orte. Ein Graf, Otto von Born, und seine Gemahlin Petronella schenkten den Schwestern damals Ländereien – großzügig, weitsichtig, vielleicht auch ein wenig ehrfürchtig. Doch schon in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts zogen die Schwestern weiter nach Dalheim. Seltsam, wie Menschen Orte verlassen und doch verbunden bleiben: Die Patronatsrechte über Ophoven behielten sie noch lange, selbst als die Kirche 1571 zur Pfarrkirche wurde.
Die Zisterzienserinnen hatten eine besondere Beziehung zur Mutter Gottes. Ihre Verehrung war tief, ernsthaft, beinahe zärtlich. Und so wundert es mich nicht, dass die Kirche – eine dreischiffige romanische Pfeilerbasilika – fast vollständig aus dem Gründungsjahr 1198 stammt. Ein Bauwerk, das wie ein Fels in der Zeit steht.
Um 1700 wurde sie restauriert. Seitenschiffe und Chor erhielten Gewölbe, die Treppe am Turm wurde angebaut, der Turm selbst bekam einen neuen Oberbau. Und Mitte des 18. Jahrhunderts kam die Stuckausschmückung hinzu: Im Chor das „Auge Gottes“, im Mittelschiff Symbole Mariens – die Bundeslade, der starke Turm Davids, die geheimnisvolle Rose, das goldene Haus, die Pforte des Himmels, der Morgenstern. Jedes Symbol ein kleines Rätsel, ein Hinweis, ein Stück Glaubenspoesie.
Der Zweite Weltkrieg hinterließ seine Spuren. Dächer und Mauern litten, wurden notdürftig repariert. Doch 1977 und 1978, dank der Opferbereitschaft der Gemeinde und der Hilfe der Diözese Aachen, wurde die Kirche gründlich renoviert. Als man den alten Zementputz entfernte, kamen dunkle, raue Steine zum Vorschein – Zeugen der frühen Bauzeit. Die bischöfliche Baubehörde bestand darauf, sie wieder sichtbar einzufügen. Ein kluger Entschluss, wie ich finde. Geschichte sollte man nicht verstecken.
Noch ein Schluck Tee… ja, so…
Das Herzstück des Hochaltares stammt aus der Antwerpener Schnitzerschule, fertiggestellt im Jahr 1520. Ein Meisterwerk, das 1699 aus Dalheim nach Ophoven kam. Die Türen zur Messdiener-Sakristei, der Tabernakelaufbau, die Rokoko-Ornamente – all das entstand in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und verleiht dem Raum eine feierliche, fast barocke Leichtigkeit.
Der Schnitzaltar selbst erzählt Geschichten. Szenen aus dem Leben der Gottesmutter: ihr Tod, ihre Himmelfahrt, die Anbetung der Hirten, die der drei Könige. In kleineren Feldern sieht man die Verkündigung, die Heimsuchung, die Beschneidung Jesu, die Darstellung im Tempel, die Flucht nach Ägypten, den Kindermord in Bethlehem. Und an den Rändern: die sieben Sakramente, die Vertreibung aus dem Paradies, das Opfer Abrahams.
Was mich immer wieder fasziniert: Jede Figur trägt eine ins Holz eingebrannte Hand – das Zeichen der Schnitzer. Ein stiller Gruß aus einer anderen Zeit.
Wenn ich meinen Tee abstelle und die Augen schließe, sehe ich die Jahrhunderte vor mir vorbeiziehen. Die Nonnen, die Grafen, die Pilger, die Kriegsjahre, die Restauratoren. Und mittendrin diese Kirche, die all das überstanden hat. Ein Bauwerk, das nicht nur aus Stein besteht, sondern aus Geschichten, Glauben und einer erstaunlichen Beharrlichkeit.
Manchmal denke ich, dass Orte wie dieser uns mehr lehren als jedes Buch. Man muss nur still genug werden, um ihnen zuzuhören.

In Anlehnung an "Ophoven Dorfchronik" von Ingo Caron