
Also, ich muss dir unbedingt etwas über meinen Spielplatz
erzählen. Eigentlich gehört er ja allen, aber für mich fühlt er
sich an, als wäre er schon immer ein Teil von meinem Leben
gewesen. Seit ich denken kann, bin ich hier rumgeklettert,
rumgerannt oder einfach nur rumgesessen, wenn ich mal meine
Ruhe brauchte.
Das Lustige ist: Früher sah es hier ganz anders aus. Das weiß
ich nicht aus eigener Erinnerung — so alt bin ich nun auch
wieder nicht — aber meine Eltern erzählen das ständig.
Angeblich floss hier mal ein richtiger Bach entlang. Kaum zu
glauben, oder? Direkt da, wo heute die Rutsche steht, soll
Wasser gewesen sein. Und neben der alten Mühle, die heute die
Osteria ist, gab es eine Furt. Das ist so eine Stelle, wo man
durch das Wasser laufen konnte, weil es nicht so tief war.
Meine Mutter sagt immer, dass die Leute damals einfach mit
ihren Fahrrädern da durchgefahren sind, als wäre das total
normal. Ich stell mir das immer wie ein kleines Abenteuer
vor.
Der Spielplatz selbst wurde irgendwann in den 90ern komplett
neu gemacht. Vom Dorfverschönerungsverein — ein ziemlich langes
Wort, aber irgendwie cool. Ich stell mir vor, wie ein paar
Leute aus dem Dorf zusammenstanden und gesagt haben: „So, wir
machen das jetzt schöner für die Kinder!“ Und dann haben sie
einfach losgelegt. Ich mag solche Geschichten, weil sie zeigen,
dass Erwachsene manchmal doch ganz gute Ideen haben.
Und dann, viel später, also 2024, hat die Stadt Wassenberg
nochmal neue Spielgeräte hingestellt. Das war ein richtig
großes Ding. Ich weiß noch, wie ich mit meinem Freund Jonas
hier stand und wir versucht haben zu erraten, was wohl gebaut
wird. Erst dachten wir, es wird irgendwas Langweiliges, aber
dann kamen diese richtig coolen neuen Geräte. Die Seilbahn ist
mein absoluter Favorit. Ich tu dann immer so, als würde ich
einen Berg besteigen. Jonas sagt, ich übertreibe, aber er
macht’s heimlich genauso.
Was ich am meisten mag: Hier sind immer Leute. Familien,
Kinder, manchmal sogar Großeltern, die sich auf die Bank setzen
und uns beim Spielen zuschauen. Manchmal kommen auch Leute, die
gar nicht aus unserem Dorf sind. Vielleicht so wie du gerade.
Ich finde das schön, weil es den Spielplatz irgendwie lebendig
macht. Jeder bringt seine eigene Geschichte mit, und für ein
paar Minuten oder Stunden treffen sich all diese Geschichten
hier.
Manchmal stell ich mir vor, wie es wäre, wenn der Bach noch da
wäre. Ob wir dann Staudämme bauen würden? Oder ob wir Ärger
bekämen, weil wir uns die Schuhe nass machen? Wahrscheinlich
Letzteres. Aber irgendwie wäre es trotzdem cool.
Wenn ich hier sitze und die neuen Spielgeräte quietschen höre
oder die Kinder lachen, denke ich oft daran, wie viele
Generationen hier schon gespielt haben. Erst die Kinder von
früher, dann die aus den 90ern, dann wir — und irgendwann
vielleicht wieder andere. Der Spielplatz verändert sich, aber
irgendwie bleibt er doch immer derselbe Ort: ein Platz zum
Spielen, zum Lachen, zum Freunde‑Treffen und zum
Geschichten‑Erfinden.
Und wer weiß — vielleicht erzählst du irgendwann auch mal
jemandem von diesem Spielplatz. So wie ich jetzt.
In Anlehnung an "Ophoven Dorfchronik" von Ingo Caron
